Angenommen, eines Tages ließen sich kryokonservierte Menschen tatsächlich wiederbeleben.

Du wachst auf.

Keine vertraute Stimme spricht deinen Namen aus. Niemand erinnert sich an eure gemeinsamen Witze, an die schwierigen Jahre oder daran, wie du früher warst.

Die Sprache hat sich verändert. Die Straße draußen ist dir völlig fremd.

Für viele Menschen ist diese Vorstellung beängstigender als die medizinischen Eingriffe, die für eine Wiederbelebung nötig wären.

Die Angst besteht nicht einfach darin, allein zu sein.

Sie besteht darin, zurückzukehren, ohne dass jemand bestätigen kann, woher man kommt.

Allein aufzuwachen ist nur eine Möglichkeit

Die Wiederbelebung von Menschen nach einer Kryokonservierung ist heute nicht möglich.

Wir wissen nicht, ob sie jemals möglich sein wird, welchen Patienten sie helfen könnte oder in welchem Umfang sich Erinnerungen und Persönlichkeit wiederherstellen ließen.

Die Einverständniserklärung von Tomorrow.bio nennt Einsamkeit, Trauer und Anpassungsschwierigkeiten als mögliche Folgen.

Damit ist nicht gesagt, dass diese Folgen tatsächlich eintreten würden.

Die Einsamkeit ist vorstellbar. Die Wiederbelebung ist hypothetisch. Beides muss berücksichtigt werden.

Das verhindert zwei naheliegende Irrtümer.

Die Angst sollte nicht mit „Hauptsache, du wärst am Leben“ abgetan werden. Für manche Menschen wären starke Isolation oder der Verlust des vertrauten Selbstgefühls unannehmbar.

Doch eine besonders anschauliche Vorstellung vom künftigen Zusammenleben ist noch keine verlässliche Prognose.

Ebenso vorstellbar wäre eine Zukunft, in der dir Menschen offen begegnen und du mit deinen Nachfahren ein vertrautes Verhältnis aufbaust.

Ob eines dieser Szenarien eintreten würde, ist ungewiss.

Gemeinsam konserviert zu werden bedeutet nicht, gemeinsam wiederbelebt zu werden

Für manche Menschen ist der Wunsch nach einer Wiederbelebung eng mit ihren Beziehungen verbunden. Sie wollen nicht einfach weiterleben, sondern ihr Leben weiterhin mit einem geliebten Menschen teilen.

Wer gemeinsam mit einem Partner oder einer Partnerin eine Biostase vereinbart, hofft damit auch, ein späteres Wiedersehen zu ermöglichen.

Eine solche Vereinbarung kann jedoch nicht gewährleisten, dass beide zur selben Zeit wiederbelebt werden könnten.

Bei einer Person gelingt die Konservierung womöglich besser als bei der anderen. Bei der anderen könnten eine Krankheit oder Verzögerungen die Konservierung erschweren. Die jeweils nötigen medizinischen Eingriffe könnten sich stark unterscheiden.

Selbst wenn sich beide grundsätzlich wiederbeleben ließen, könnte dies bei einer Person Jahre früher möglich sein als bei der anderen.

Würdest du wollen, dass deine Wiederbelebung aufgeschoben wird, weil sich ein geliebter Mensch noch nicht wiederbeleben ließe?

Vielleicht müsstest du bei jeder Entscheidung einen Verlust in Kauf nehmen.

Das macht eine gemeinsame Vereinbarung nicht sinnlos.

Eine solche Vereinbarung sichert keine gemeinsame Rückkehr zu, sondern soll beiden die Chance auf eine Wiederbelebung erhalten.

Andere Menschen entscheiden sich unabhängig voneinander. Sie hoffen vielleicht, dass geliebte Menschen das verstehen, ohne von ihnen dieselbe Entscheidung zu erwarten.

Beide Haltungen kommen vor. Keine davon sollte pauschal allen Mitgliedern zugeschrieben werden.

Welche unterschiedlichen Gefühle hinter diesen Haltungen stehen können, erläutert der Artikel „Biostase als Akt der Liebe“.

Wiederbelebung würde andere Menschen voraussetzen

Ein Mensch würde nicht durch Zufall aufwachen.

Jemand hätte die nötigen medizinischen Verfahren entwickelt, den Patienten ausgewählt, die erforderlichen Mittel bereitgestellt und die Wiederbelebung veranlasst.

Daraus folgt allerdings nicht, dass diese Menschen dem Patienten wohlgesinnt wären.

Wenn eine Wiederbelebung möglich wäre, gäbe es also bereits Einrichtungen und Menschen, die an der Behandlung des Patienten beteiligt wären.

Die Vorstellung, nach der Wiederbelebung völlig auf sich allein gestellt zu sein, lässt diese Beteiligten außer Acht.

Das allein würde die Einsamkeit jedoch nicht beseitigen.

Medizinische Rehabilitation ist keine Freundschaft. Eine rechtliche Identität ist keine Familie. Auch Hilfe bei der Verständigung ersetzt niemanden, der dich seit deiner Kindheit kennt.

Ein Mensch kann fachkundig betreut werden und sich trotzdem zutiefst allein fühlen.

Die Wiedereingliederung könnte Spracherwerb, psychologische Unterstützung, Bildung und einen neuen Rechtsstatus erfordern.

Aufzeichnungen aus der Gegenwart könnten dabei helfen.

Briefe, Fotos, die Krankengeschichte und Aufzeichnungen darüber, was einem Patienten wichtig war, könnten eine persönliche Beziehung nicht ersetzen. Sie könnten aber eine Brücke zum früheren Leben bieten.

Ein wiederbelebter Mensch könnte auch andere Patienten, Nachfahren, Historiker oder Menschen treffen, die sich entschieden haben zu helfen.

Ob aus solchen Begegnungen enge Beziehungen entstehen würden, wäre allerdings ungewiss.

Die rechtlichen Unsicherheiten behandelt der Artikel „Der rechtliche Status einer Person in der Kryostase“.

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Könntest du dir ein neues Leben aufbauen?

Manche Menschen würden Trauer, Rehabilitation und radikalen kulturellen Wandel in Kauf nehmen, um die Chance auf neue Beziehungen zu erhalten.

Andere hängen so sehr an ihrer heutigen Welt, dass ein Leben in dieser Zukunft für sie kaum reizvoll wäre.

Keine der beiden Antworten ergibt sich zwingend aus der Wissenschaft.

Schon heute bauen sich Menschen nach dem Tod nahestehender Personen, nach einer Auswanderung oder nach dem Verlust ihrer Gemeinschaft ein neues Leben auf.

Das zeigt, dass neue Bindungen möglich sind. Es zeigt nicht, dass die Anpassung nach einer hypothetischen Wiederbelebung leicht oder auch nur vergleichbar wäre.

Vergleiche mehr als zwei mögliche Entwicklungen.

Möglicherweise wirst du nie wiederbelebt. Vielleicht würdest du nach einer Wiederbelebung mit schweren Beeinträchtigungen leben. Vielleicht würdest du fachkundige Unterstützung erhalten und dich dennoch einsam fühlen. Vielleicht würdest du dich in einer künftigen Gesellschaft gut zurechtfinden und ein Leben führen, das sich heute niemand vorstellen kann.

Die möglichen Folgen beschränken sich nicht auf ein Wiedersehen mit allen geliebten Menschen oder den endgültigen Tod.

Entscheidend ist, ob du unter diesen ungewissen Bedingungen noch selbstbestimmt leben, Beziehungen aufbauen und etwas finden könntest, das dein Leben für dich lebenswert macht.

Deine Wünsche schriftlich festzuhalten ist besser, als sie unausgesprochen zu lassen, auch wenn du damit nicht bestimmen kannst, was in einer unbekannten Zukunft geschieht.

Sicherstellen, dass deine Wünsche befolgt werden erklärt, was heutige Planung leisten kann und was nicht.

Allein aufzuwachen wäre ein Verlust.

Es könnte auch der Beginn von Beziehungen sein, die es noch nicht gibt.

Ob dir diese Möglichkeit ausreicht, lässt sich nicht durch eine Vorhersage über die Zukunft beantworten. Das hängt davon ab, unter welchen Bedingungen ein Leben für dich noch lebenswert wäre.

Kurz gesagt: Wiederbelebung könnte bedeuten, vertraute Menschen zu verlieren und sich an eine fremde Welt anzupassen. Die gemeinsame Anmeldung mit geliebten Menschen kann ein Wiedersehen nicht garantieren, deshalb musst du entscheiden, ob ein neues Leben trotzdem lebenswert sein könnte.

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